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  #1  
Alt 24.06.2018, 15:30
Mariane Mariane ist offline
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Beiträge: 2
Idee Aus der Sicht einer Psychoonkologin..

Hallo ihr lieben Menschen,

ich heiße hier Mariane und arbeite seit wenigen Monaten in einer Klinik, als Psychoonkologin. Ich begleite Menschen mit Krebserkrankungen unterschiedlichster Art, in unterschiedlichsten Stadien: von einem Verdacht auf eine Erkrankung; der Diagnosestellung; dem Leben mit Krebs; ein Leben mit dem Rezidiv..; palliativer Behandlung und auch beim Sterbeprozess.
Ich arbeite auf onkologischen Stationen; mit onkologischen Patienten auf verschiedenen Stationen, aber auch im speziellen auf einer Palliativstation, mit betroffenen Menschen, bei denen "nur" noch eine palliative Behandlung möglich ist.

Zudem bin ich selbst Angehörige; ich habe meinen Vater vor ein paar Jahren an Lungenkrebs mit Hirnmetastasen verloren.

Jeden Tag nehme ich verschiedene Eindrücke aus meiner Arbeit mit, mal "schöne", mal weniger leichte, mal schwere.. - alle paar Monate ist mal eine Supervision.. das ist meiner Meinung nach nicht ausreichend.

Ich habe im Internet bisher kein Forum gefunden, in der es Austauschmöglichkeiten für Mitarbeiter gibt, welche z.B. in Kliniken oder Hospizen mit krebserkrankten Menschen arbeiten, gibt.

Mir ist es ein Anliegen mich darüber auszutauschen, bzw. auch, um meine Eindrücke zu verarbeiten. Vielleicht ist hier ein Austausch möglich, auch mit Betroffenen oder Angehörigen..

Daher nutze ich diese Tagebuchfunktion, um mir im wahrsten Sinne des Wortes "Luft zu machen" - sowie auch als offenes Angebot / Einladung für einen Austausch.
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  #2  
Alt 24.06.2018, 15:44
Mariane Mariane ist offline
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Registriert seit: 24.06.2018
Beiträge: 2
Frage Was tun, wenn man erfährt, dass der Krebs wieder da ist und man daran sterben wird?

Ich möchte euch von meiner Begegnung letzter Woche mit Herrn B. berichten.
Ich kannte ihn bereits von der Palliativstation. Herr B. ist an einem Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt und in palliativer Behandlung gewesen. Er ist erneut in die Klinik wegen Beschwerden im Gallengang gekommen. Herr B. und ich haben in der Zeit immer wieder Gespräche geführt, zu Themen, wie es weiter geht.. wie er sich sein Leben noch vorstellt..

Bei Untersuchungen letzter Woche wurde festgestellt, dass Herr B. stark metastasierten Krebs im gesamten Bauchraum aufweist.
Ich wurde von einer Ärztin gerufen, mit der Bitte mit Herrn B. Kontakt aufzunehmen.

Vormittags (bevor der Befund mitgteilt wurde) war ich noch, im Rahmen meiner regelmäßigen Besuche auf der Palliativstation, bei Herrn B. - wir sprachen über Entlassung, zuhause..
Zwei Stunden später dann das zweite Gespräch.. Herr B. war total aufgelöst.. hat wenig gesprochen, geweint.. es fehlten die Worte.. und ehrlich gesagt, mir auch.. ich meine mein Bedauern ausgesprochen.. versucht für ihn da zu sein.. auch die Idee der Ungerechtigkeit ausgesprochen.. dann langes Schweigen..
Herr B. bat mich irgendwann zu gehen.. seine Angehörigen waren auf dem Weg zu ihm auf die Station..

Meine Arbeit besteht - so ist bisher mein Eindruck - u.a. darin, die Patienten in ihren Ressourcen zu unterstützen, gemeinsam nach Möglichkeiten der Verarbeitung zu schauen; aber auch in Hoffnung zu unterstützen - sollte welche da sein. Mit dem Moment der Mitteilung des Befundes, dass "nichts mehr möglich ist", als daran zu sterben, wird gefühlt alle erarbeitete Zuversicht, genommen - ein Gerüst zerfällt und es bleibt Hilflosigkeit.

Die Begegnung mit Herrn B. hat mich nachhaltig mitgenommen..
Ich habe mich gefragt:
Wie hätte ich gut in der Situation handeln können?
Habe ich richtig gehandelt?

und:
Wie hätte - ich - mich aus dem Kontakt verabschieden können?
(Herr B. hat mich quasi aus dem Gespräch "entlassen")
Mit welchen Worten verabschiedet man einen Menschen - über ein Wochenende - der gerade erfahren hat, dass er an der Erkrankung mit lebenslimitierter Zeit sterben wird?

Ich sehe ihn erst nächste Woche - falls er dann nicht schon aus der Klinik entlassen wurde.

Was meint ihr dazu?

Geändert von Mariane (24.06.2018 um 15:56 Uhr)
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  #3  
Alt 24.06.2018, 18:29
vintage vintage ist offline
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Beiträge: 748
Standard AW: Was tun, wenn man erfährt, dass der Krebs wieder da ist und man daran sterben wir

liebe mariane,

das wusste ich nicht, dass es für manche(?) psychoonkologInnen kaum supervision gibt; ein unding, wahrlich.

mein mann war ebenso ein "fall" mit "unguter" prognose.
er/wir hatten auch einen psychoonkologen im KH. und ungefähr drei gespräche.

es ist schwer, so eine diagnose/prognose zu verkraften, vielleicht sogar unmöglich.

nun warst du bei herrn b. gleich nach der mitteillung bei ihm.
da kann man vielleicht auch nur weinen und schweigen.
man steht ja unter schock.

unser psychoonkologe sollte meinem mann und mir helfen,
die endlichkeit zu begreifen und die wichtigkeit des JETZT zu erkennen.
er konnte uns nichts abnehmen, sondern nur einen rahmen bilden, hilfestellung leisten.
"Da" sein, die gefühle und gedanken mit aushalten, da verwandte es oft nicht können.
es wurde angesprochen, wie der letzte weg, die letzte zeit aussehen könnte.
welche themen "obenauf" liegen.
aber auch mit praktischen sachen hätte man uns geholfen,
wie vermittlung zu sozialen diensten oder einem hospiz.

zu deinen fragen...
verabschieden: signalisieren, wann man da ist und das man rufbar ist. ich glaube mehr geht nicht.
zuhören und sich professionell abgrenzen können. das ist hilfe.
zusammen die hilflosigkeit akzeptieren und dennoch schauen, wie die letzten wochen,
tage und/oder stunden aussehen könnten, und was man für sich als betroffene/r will.

wenn es für dich kaum fortbildungen und austausch etc. gibt, würde ich in die hospize schauen,
die sehr gute arbeitsweisen haben im umgang mit tod und palliativer begleitung.

viel gute energie für dich und deine arbeit!
__________________
lieben gruß, vintage



Mein geliebter Mann wurde nur 49 Jahre alt und
starb knapp fünf Monate nach der Diagnose.
* Juli 1965 - + Mai 2015

ED Weihnachten 2014 Darmkrebs mit zu vielen Lebermetastasen,
dann auch Lungenmetastasen...
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Stichworte
austausch, klinik, krebs, palliativ, psychoonkologie


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