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  #1  
Alt 07.05.2010, 15:39
gilda2007 gilda2007 ist offline
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Registriert seit: 04.09.2007
Beiträge: 1.909
Standard AW: Verdrängung - Tod

Zitat:
Zitat von Nemonina Beitrag anzeigen
Hallo,

Sie sagt bewusst, über den Tod möchte Sie nicht reden. Mich stört das aber sehr. Einfach auch, weil eine Auseinandersetzung wichtig ist für die Person selbst, den meine Oma bedeutet mir viel. Manchmal denke ich mir, der wohlgemeinte Ratschlag, "warte, bis Sie damit von allein anfängt" nützt manchmal auch nichts, wenn nichts kommt. Es ist wirklich schwierig...
Meine erste Reaktion wäre heftig gewesen, so dass ich erst mal durchatmete. Klar ausgedrückt: Es geht nicht darum, was DICH stört! Deine Oma scheint sehr genau zu wissen, wie sie damit umgehen möchte, sie ist erwachsen! Warum denkst du, dass es für sie wichtig ist, sich damit auseinander zu setzen? Weil es dir dann besser ginge? Eine Auseinandersetzung macht Sinn, wenn man in seinem späteren Leben dadurch etwas verändern kann. Das wird bei ihr nicht mehr eintreten. Sie hat akzeptiert, dass ihr Leben zu Ende geht. Auch finde ich es recht anmaßend zu sagen, dass sie sich nicht mit ihrem Tod auseinander gesetzt hat. Nur weil sie nicht darüber spricht, heißt es doch nicht, dass sie es nicht getan hat. Das kann man auch ganz für sich alleine, und ein alter Mensch braucht dafür häufig wesentlich weniger Zeit als ein junger. Denn ab einem gewissen Alter hat man sich schon mit dem Tod auseinander gesetzt, wahrscheinlich hat sie das schon vor Jahren getan.

Wenn ein Kranker oder Sterbender darüber sprechen möchte, sollte man sicher nicht abblocken, wenn man die Kraft für ein solches Gespräch hat. Aber so scheint mir von Seiten deiner Oma alles geklärt. Wenn sie noch das Bedürfnis bekommen sollte, seid ihr für sie da. Das ist für sie sicher ein wunderbares Gefühl!
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  #2  
Alt 22.05.2010, 20:24
Takk Takk ist offline
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Registriert seit: 09.03.2009
Beiträge: 41
Standard AW: Verdrängung - Tod

Hallo Nemonina,

einerseits kann ich Dich schon irgendwie verstehen, wenn Du mit Deiner Großmutter über ihr wahrscheinlich eher nahes Sterben/ihren Tod reden möchtest. Heutzutage scheint es "üblich" zu sein, auch mal gerne eher "zuviel" zu reden bzw. alles "ausdiskutieren" zu wollen, bis zum Letzten. Mein persönlicher Eindruck. Deine Großmutter ist eine selbstbestimmte Frau, auch jetzt, wo sie todeskrank ist. Es ist ihr "Ding", ihr Leben und ihr Sterben. Bis zum Schluss. Und ich rate Dir zu, das so zu akzeptieren.
Ich würde mich hier nicht "einmischen", wenn ich nicht gerade in einer ähnlichen Lage wäre wie Du. Meine Freundin wird wohl leider sehr bald gehen müssen. Sie ist noch relativ jung (52 J.) und leidet an einer Krebserkrankung, die einem derzeit noch sehr, sehr wenig Spielraum für irgendwelche Therapieoptionen lässt.
Ich habe mir so oft die Frage gestellt, wie gehe ich damit um, mit dieser ganzen unfairen Scheixxkrankheit? Mit ihr? Was tue ich, was sage ich, wenn es irgendwann mal heißt: "sorry, austherapiert"? Wie begegne ich dem/ihr dann? Nun ist es (fast) soweit, eine kleine Option haben wir noch, mal sehen ... Ich habe beschlossen: ich bleibe, wie ich bin. Ich werde ihr sehr gut zuhören, und ich werde es sicher merken, wenn sie über "DAS" reden möchte, auch vielleicht mal eher "hintenrum", also indirekt. Wir praktizieren das streckenweise schon, es ist aber derzeit noch ein Auf und Ab. Grundsätzlich sehe ich das so, dass sie bestimmt, mit wem sie über was reden möchte. Es liegt an ihr. Ich werde offen zugeben, wenn ich keine Antworten habe auf bestimmte Fragen. Denn wer von uns hat die schon, diese Antworten? Dann weinen wir. Das Weinen ist eine Antwort, da wo man nix mehr erklären kann.
Ich denke, wir werden beizeiten spüren, wie es weitergehen wird/soll. Meine Freundin wird ihren eigenen Takt vorgeben und wir spielen nach ihrer Musik.

Sei herzlich gegrüsst,
Marianne (aka Takk)
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  #3  
Alt 22.05.2010, 21:22
Takk Takk ist offline
Gesperrt
 
Registriert seit: 09.03.2009
Beiträge: 41
Standard AW: Verdrängung - Tod

Hallo Nemonina,

ein kleiner Nachtrag zum Thema.

Zitat aus:
http://www.ironirene.com/Vom_Verreisen.pdf

>> Für mich persönlich halte ich es für essentiell, dass ich mir immer vor Augen halte, dass Sterbende einen Prozess durchlaufen, den ich nicht aus persönlicher Erfahrung kenne. Ich gehe daher davon aus, dass sie unter Umständen eine andere Selbst-, Fremd- und Umweltwahrnehmung haben als ich, und davor versuche ich größten Respekt zu haben. <<

Herzliche Grüsse und alles Gute
Marianne (aka Takk)
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